Gesprächsfähigkeit ist wissenschaftlich definiert

Zuerst erschienen auf LinkedIn am 22. Oktober 2025. Original auf LinkedIn

Diese Definition kann Deine Wahrnehmung von Gesprächen entscheidend verbessern.

Im Zeitalter der Kommunikation spielen Gespräche eine bedeutende Rolle. Sie entscheiden über Respekt und Ablehnung, Liebe und Hass - manchmal sogar über Krieg und Frieden.

Gespräche sind wirkmächtig. Daher die wichtige Frage: Welche Voraussetzung brauchen beispielsweise zwei Menschen, um ein Gespräch zu führen?

Die Antwort erscheint einfach: Beide müssen gesprächsfähig sein.

Aber was versteht man eigentlich unter Gesprächsfähigkeit?

Dazu gibt es eine [pragmatische] wissenschaftliche Definition, die Dich vielleicht überraschen wird:


„Gesprächsfähig ist, wer im Miteinandersprechen - durch Sprechen und Zuhören - einen gemeinsamen Sinn bewirken und verantworten kann.“ (Geißner 1986, Thiel 2025)


Diese Definition hat weitreichende Konsequenzen:

1. Wer nur reden kann, ist deshalb noch nicht gesprächsfähig. Sprechfertigkeit bedeutet nicht Gesprächsfähigkeit. Das gekonnte Sprechen einer Person setzt keine Zuhörfähigkeit voraus; damit fehlt dann oft die Focussierung auf einen gemeinsamen Sinn.

2. Wenn sich kein gemeinsamer Sinn ergibt (der sich durch Zuhören und Sprechen beider Personen nach und nach bildet), liegt kein Gespräch vor (eher ein „Aneinander-Vorbeireden“).

3. Ein "Gespräch", das keinen Sinn ergibt, ist kein Gespräch (sondern Geschwätz).

4. Wenn eine Person oder beide das, was sie sagen, nicht verantworten können, liegt auch kein Gespräch vor. Verantwortungslose bzw. Verantwortungsunfähige sind grundsätzlich nicht gesprächsfähig.

5. Wer nicht gesprächsfähig ist, ist auch nicht dialogfähig. Denn Gesprächsfähigkeit ist die Voraussetzung dafür.


Vielleicht wunderst Du Dich jetzt nicht mehr, warum so viele „Gespräche“ im Privatleben und im Business danebengehen:

Weil es gar keine Gespräche sind.

Oft sind es nur Monologe, Verlautbarungen, geäußerte Befindlichkeiten, verbale Verletzungen usw.  – und dann sollten wir es auch so benennen.

Es wird Zeit, dass wir unsere Welt mit den richtigen Begriffen bezeichnen! Gesprächsfähigkeit ist eine Kompetenz. Und der Weg zu wahrer Begegnung.

  • Wie wirkt diese Definition auf Dich?

  • Wo kann man und wo sollte man Gesprächsfähigkeit lernen?

https://www.kommunikationspaedagogik.de/Gespraechsfaehigkeit/

Porträt von Bertram Thiel

Über den Autor

Bertram Thiel

Dialog-Coach, Kommunikationspädagoge & Keynote-Speaker

Bertram Thiel arbeitet seit über drei Jahrzehnten an der Schnittstelle von Bildung, Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftlichem Wandel. Als Leiter des Beratungszentrums für Kommunikationspädagogik verbindet er die Grundlagen der Sprechwissenschaft mit praxisnahen Konzepten für Schule, Hochschule und Unternehmen. Im Zentrum seiner Arbeit steht das Dialogische und Triadische Lernen: Menschen im Dialog – die KI als Lernpartner. Seine Überzeugung: Bildung, Führung und Zusammenleben gelingen nur, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen.